Ein neuer Bus für den Patiententreffpunkt-und viel Vorfreude auf die Weihnachtszeit

Es wird gescherzt, gelacht und gealbert. Langeweile kommt erst gar nicht auf, wenn die Damen der Dienstagsgruppe beisammen sind. Dafür kennen sie sich schon zu lange und schätzen sich untereinander sehr. Es herrscht in der Runde ein Klima des Vertrauens, keine von ihnen muss ein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie etwas sagt. Als Außenstehender bekommt man mit etwas Übung rasch mit, ob eine Gruppe intakt ist oder nicht. Die Dienstagsgruppe des Jahnke-Patiententreffpunkts ist es, keine Frage.

Da hat es auch ein „neues Gesicht“ wie Dagmar Rühle leicht. Erst zum sechsten Mal ist die ehemalige Richterin dabei, doch schon jetzt ist sie integriert, ja sogar als Bereicherung anerkannt. Die anderen Damen sind allesamt langjährige Besucherinnen: Ingrid Kühnemann, Brigitta Klußmann und Waltraud Wons, deren Mutter Anna Wiesner bereits in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts als eine der ersten überhaupt zu Betreuerin Silke Redlich in den Patiententreffpunkt kam. An diesem Dienstag fehlt aus der Stammgruppe nur Brigitte Böttges, die jedoch im Vorfeld schweren Herzens schon abgesagt hatte.

Es dauert immer ein wenig, bis alle Damen aus unterschiedlichen Bezirken von Silke Redlich im stationseigenen Bus abgeholt und in die Birkenstraße 14 gefahren werden. Dort befindet sich im Hochparterre des Quergebäudes der gemütlich eingerichtete Raum mit dem länglichen Holztisch, um den sich dann alle versammeln. Apropos Bus: Im Mai wurde vom Ehepaar Jahnke und der Geschäftsführung ein nagelneuer Patientenbus spendiert, für sieben Personen „und Gott sei Dank ein Benziner“, freut sich Betreuerin Silke Redlich angesichts des gerichtlich beschlossenen Fahrverbots für Dieselfahrzeuge auf mehreren Berliner Straßen. Auch über das mitgelieferte Radio ist die Betreuerin dankbar. Zum einen kann sie notfalls kurzfristig auf Meldungen des Verkehrsfunks reagieren, zum anderen, „weil der Bus dann schon mal zur rollenden Disco wird, wenn beim Schlagerradio Erinnerungen hochkommen und wir lauthals mitsingen.“

In wenigen Wochen wird der neue Bus im Dauereinsatz sein. Ab Anfang Dezember finden nämlich die traditionellen Weihnachtsfeiern der einzelnen Besuchergruppen statt. Die Vorfreude darauf ist wie in jedem Jahr sehr groß, schließlich sind diese Tage unvergessliche Erlebnisse für die betagten Damen. Es sind vier Feiern, jede Gruppe (Montag bis Mittwoch und Freitag) kommt an jeweils ihrem Tag zunächst mittags zum Weihnachtsessen zusammen. Das wird stilvoll vom Chefkoch persönlich gereicht – und der heißt Uwe Redlich und ist der Ehemann von Betreuerin Silke.

„Im Vorfeld fragen wir immer die Gruppen, was sie sich denn zum Weihnachtsessen wünschen, und Uwe bereitet dann wunschgemäß alles zu“, verrät seine Frau. Die Dienstagsgruppe freut sich seit Jahren auf ihr Lieblingsmenü: Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen. Danach gibt es Kaffee für alle und ein Überraschungsdessert.

„Es sind tatsächlich immer sehr besinnliche Tage“, umschreibt Silke Redlich die Stimmung der Weihnachtsfeiern. „Wir halten alte Familientraditionen aufrecht für Menschen, die häufig keine Familie mehr haben oder deren Mitglieder in aller Welt zerstreut sind. Und die Tage sind auch deshalb so unvergesslich, weil sie als Gemeinschaftserlebnis wahrgenommen werden können.“

Aus dem festlich geschmückten Patiententreffpunkt geht es anschließend in den Bus. Nein, nicht die Heimfahrt steht auf dem Programm, sondern die klassische Lichterfahrt. Von Moabit aus geht es zu den am prächtigsten beleuchteten Weihnachtslichtern Berlins, zunächst zum Hauptbahnhof über den Reichstag zum Potsdamer Platz. Über das Reichpietschufer rollt der Bus alsdann Richtung City West. Der Höhepunkt steht unmittelbar bevor, der illuminierte Kurfürstendamm, der einmal bis Halensee rauf- und dann wieder bis zur Gedächtniskirche runtergefahren wird. Auch wenn der Ku‘damm vielleicht nicht mehr das ganz große Weihnachtsflair wie noch vor zehn Jahren hat – das Lichtermeer bleibt beeindruckend. Und vielleicht laufen im neuen Bus aus dem Radio dazu ein paar Weihnachtslieder. 

Im September war es 24 Jahre her, dass Silke Redlich als Betreuerin beim Jahnke-Patiententreffpunkt mit ihrer Betreuungstätigkeit begann.  Viele unterschiedliche ältere Damen – früher gab es auch einzelne auch Herren in den Gruppen –  hat sie seitdem abgeholt und nach ein paar frohen Stunden wieder nach Hause gefahren. Eine davon ist ihre eigene Mutter, Monika Grabeck, die nach dem Tod ihres Ehemanns in ein tiefes Loch gefallen war. Die Tochter hat sie dort herausgeholt und sie mit Einverständnis von Jahnkes in die Freitagsgruppe integriert. Dort geht sie seit neun Jahren mit Begeisterung hin, spielt mit ihren Freundinnen Canasta und hat ihren ersten Schritt dorthin zu keiner Zeit bereut.

Der Patiententreffpunkt der Pflegestation Jahnke hat viele Geschichten geschrieben, neben den vielen glücklichen auch nachdenklich stimmende und traurige. Er ist lebendig und umfasst alle Facetten des menschlichen Beisammenseins. Mögen die fröhlichen Stunden auch in Zukunft die Oberhand haben!       VH

                      

Die Mitglieder der Dienstagsgruppe: unten v. l. Ingrid Kühnemann, Dagmar Rühle, Waltraud Wons; oben v. l. Brigitta Klussmann und Betreuerin Silke Redlich