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Die Pflegestation Jahnke unterstützt verschiedene gemeinnützige Projekte. Spendenpartner 2009 und 2010 ist die Beratungsstelle "Pflege in Not"

Die meisten pflegebedürftigen Menschen werden hingebungsvoll und mit großem Zeitaufwand gepflegt. Das gilt für Patientinnen und Patienten sowohl von Pflegeheimen als auch von häuslicher Krankenpflege. Auch Ehepartner, Kinder oder andere Verwandte sind in der Regel liebevolle pflegende Angehörige. Pflege innerhalb der Familie gilt für viele Menschen als Selbstverständlichkeit, über deren Sinn und Durchführbarkeit es überhaupt keine Zweifel geben darf.
Deswegen sind viele Außenstehende häufig auch so alarmiert, wenn sie erfahren, dass in der Pflege Konflikte, Aggressionen und sogar körperliche Misshandlungen stattfinden können. Pflegende Ehepartner und pflegende Kinder erleben starke Gefühle, über die sie manchmal selbst erschrocken sind. In Situationen von Überforderung, Verzweiflung oder Aggression können extreme Belastungen nämlich dazu führen, dass eigene Grenzen erreicht oder überschritten werden. Die Folge davon ist nicht selten Gewalt an den hilflosen pflegebedürftigen Menschen.
Gewalt – besonders in der häuslichen – Pflege ist immer noch ein Tabu. Seit 1999 gibt es in Berlin – und seit 2008 auch in Potsdam – eine Beratungs- und Beschwerdestelle bei Konflikten und Gewalt in der Pflege älterer Menschen. „Pflege in Not“ heißt die Einrichtung, und sie steht in Berlin in der Trägerschaft des Diakonischen Werks Berlin Stadtmitte. Entstanden ist „Pflege in Not“ aus der täglichen praktischen Arbeit in einer Sozialstation und ihren zum Teil bedrückenden Erkenntnissen. Als Beratungs- und Beschwerdestelle konzipiert, bei dem sich Gepflegte, pflegende Angehörige, Pflegepersonal, Freunde und Nachbarn – auch anonym – Rat holen können, hat sich die erste Berliner Einrichtung mit Schwerpunkt Gewalt in der Pflege rasch etabliert.
„Zunächst haben wir nur daran gedacht, den häuslichen Bereich abzudecken, also Personen zu helfen, die zuhause pflegen oder gepflegt werden“, berichtet Gabriele Tammen-Parr. Die Diplom-Sozialpädagogin und Mediatorin ist als Initiatorin der Beratungsstelle zugleich ihre beste Chronistin. Sie weiß noch genau, dass schon nach kurzer Zeit bereits Anfragen und Beschwerden auch aus dem stationären Bereich, „vor allem aus den Pflegeheimen“ kamen. Beide Sektoren deckt „Pflege in Not“ seitdem mit nahezu gleichem zeitlichen Aufwand ab.
Es sind bezeichnenderweise weniger die alten und kranken Menschen selbst, die sich bei der Beratungsstelle melden, sondern vielmehr die pflegenden Personen. Nicht wenige, die Ratschläge und Informationen einholen wollen, kommen aus dem professionellen Bereich. Beschwerden über die Arbeit, den Arbeitsplatz oder die dort herrschenden Bedingungen sind für das kleine Team keine Seltenheit. Doch auch bei der Pflege innerhalb der Familie sind die Belastungen hoch. „In der Pflege kommt man sich körperlich und emotional sehr nahe“, weiß Gabriele Tammen-Parr. „Alte Familiendramen kämen da rasch hoch, und alte Rechnungen würden beglichen, was sich beispielsweise in der Verweigerung von Zuneigung und Dankbarkeit oder der Entwicklung von Schuldgefühlen niederschlage.
In ihrer Arbeit wird Gabriele Tammen-Parr von Dorothee Unger und vier ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen unterstützt. Frau Unger, eine auf Honorarbasis arbeitende Psychologin, übernimmt neben der telefonischen Beratung vorwiegend die persönlichen Gespräche. In einer zugespitzten Pflegesituation werden dann manchmal bis zu fünf Gesprächstermine vereinbart. Im Team allgemein weiß man um die emotionalen Überforderungen vieler pflegenden Menschen. Zeit nehmen, lautet daher eine Maxime im Beratungsbüro, das seit zwei Jahren in der Bergmannstraße in Kreuzberg beheimatet ist. Zeit nehmen für Beschwerden, die eingehen und wenn nötig auch für Konfliktgespräche mit den Einrichtungen. Denn auch als Pflegeeinrichtung kann man eine Beratung oder eine Meditation in Anspruch nehmen.
Die Pflegestation Jahnke unterstützt mit dem kompletten Erlös im Zusammenhang mit ihrem Patientenkalenders 2009 die Einrichtung „Pflege in Not Berlin“ und möchte damit die herausragende Arbeit für die Berliner Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen würdigen. In der Bergmannstraße nahm man die Nachricht mit großer Freude entgegen. Das Geld wolle man für die Vergütung von Honorarkräften und in eine professionelle Neugestaltung der Website ausgeben, heißt es in einer ersten Stellungnahme
„Gerade die häusliche Pflege wird uns in den nächsten Jahren stark beschäftigen“, prognostiziert Tammen-Parr. „Eine enorme gesellschaftliche Herausforderung kommt dahingehend auf uns zu. Ich sage jetzt schon: Pflege innerhalb der Familie wird unentbehrlich sein. Unsere Gesellschaft wird darauf angewiesen sein, dass sie stattfindet. Der Spagat der Pflegenden zwischen Zuwendung und Überforderung wird dabei nicht kleiner werden.“
In Fachkreisen hat das Thema Gewalt gegen alte Menschen in der Pflege an Tabuisierung bereits verloren. „Pflege in Not“ und weitere Beratungsstellen bundesweit haben dazu beigetragen, dass es in die Öffentlichkeit getragen wurde und auch weiterhin wird. Grundlage für jegliche Veränderung ist es, das Phänomen Gewalt in der Pflege zu kennen und seine Ursachen zu begreifen. All diesen Aufgabe wird sich „Pflege in Not“ mit Unterstützung der Pflegestation Jahnke auch in Zukunft widmen.                                                        Volker Hütte
                   
Pflege in Not Berlin
Bergmannstraße 44, 
10961 Berlin
E-Mail: pflege-in-not@dw-stadtmitte.de
 

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