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Namibia - was für ein schönes Land 

(Fortsetzung von Birkenblatt Nr. 130)

Nach kurzer Fahrt trafen wir in Lüderitz ein. Das kühle Wasser des Atlantiks sorgt für ein reiches Fischvorkommen vor der Küste Namibias. Das macht Lüderitz mit seinem bunten Häusern  und Jugendstilvillen zu einem wichtigen Fischereihafen, und auch hier steht die von deutschen damals erbaute Kirche auf dem höchsten Punkt der Stadt. Auf der Rückfahrt zu unserer Unterkunft kamen wir an einer Wasserstelle vorbei, an der wir Wildpferde beobachten konnten. Es bleibt uns ein Rätsel, wie die kleine Herde in dieser kargen, aber wundervollen Landschaft überleben kann. Wir haben in dieser sandigen Ebene so gut wie keinen einzigen Grashalm gesehen. Trotzdem fanden die Pferde immer etwas zu fressen. 

Doch so abenteuerlich die Schotterstraßen auch sind, noch eindrucksvoller ist die Wüstenlandschaft. So tauchte am nächsten Tag  inmitten dieser unwirklichen, trockenen und staubigen Landschaft eine Burg auf. Vor mehr als 100 Jahren hatte ein deutscher General bei einer kriegerischen Auseinandersetzung und unter Zurücklassung seines gesamten Waffenarsenals die Flucht ergriffen. Diese Blamage war für den General so schwer zu ertragen, dass er, zurück in Deutschland, in eine schwere seelische Krise geriet.  Nur wenn er an den Ort seiner Niederlage zurückkehren würde, könne er geheilt werden, riet ihm seine Ehefrau. So ging der General zurück an den Ort seiner Schmach, baute eine Burg und holte seine Ehefrau nach. Nach zwei Jahren langweilte sich seine Ehefrau so sehr, dass sie zurück nach Deutschland kehrten. Heute ist diese Burg ein Museum.

Auch am nächsten Tag gab es viele Höhepunkte. Einer davon war die morgendliche Fahrt zu den ältesten Sanddünen der Welt. Diese Sanddünen sind bis zu 300 Meter hoch und leuchten im Licht des frühen Morgens besonders schön. Wir haben ja schon des Öfteren Wüstenwanderungen unternommen – und trotzdem ist die Wüste für uns immer wieder ein Erlebnis. Auf dem Weg weiter nach Swakopmund  passierten wir einige der schönsten Stellen des Namib-Naukluft-Parks, die Welvitschia-Fläche, wo die einzigartige  Pflanze, die urzeitliche Welwitschia mirabilis, wächst. Das gesamte Areal wird auch „Mondlandschaft“ genannt und hat diesen Namen redlich verdient.

Nach so viel Wüste kamen wir in der Küstenstadt Swakopmund an – die Zivilisation hatte uns wieder. Auch am nächsten Tag hieß es wieder früh aufstehen, denn die geplante Tour ging mit dem Geländewagen zu einer Safarifahrt in die Sanddünen.

Eigentlich lehnen wir solche Fahrten durch die wundervollen  Dünenlandschaften ab, aber am Ende sagten wir dann doch zu. Im Nachhinein war es schön, dass wir diese Entscheidung getroffen haben, aber es sollte schon bei diesem einmaligen Erlebnis bleiben. Auf dem Rückweg ging es vorbei an großen Flamingokolonien. Es ist schon ein außergewöhnliches Erlebnis, die rosafarbenen Vögel mit ihren langen Beinen durch das flache Wasser waten zu sehen. Aber an diesem Tag gab es noch eine weiteres schönes Ereignis. In einem kleinen Boot ging es begleitet von Möwen und Pelikanen in die Robbenkolonien. Tausende Robben belegten mit tosendem Gebrüll einen ganzen Küstenstreifen.

Zurück in Swakopmund unternahmen wir einen Stadtbummel und sahen in der Innenstadt  viele kleine schmucke Geschäfte. Aber auch hier hatten wir Pech. Es waren Feiertage und die Geschäfte hatten geschlossen. So machten wir mit einem Einheimischen einen Rundgang durch die zentrumsnahmen Townships. Die Bewohner dort zählen zu den ärmsten der Bevölkerung. Viele wohnen in Blechhütten oder Holzbaracken und – oftmals ohne Wasser und eigene Toilette. Einige gehen arbeiten, die meisten sind jedoch arbeitslos. In den folgenden Tagen fuhren wir durch weitere schöne Landschaften Namibias, so etwa zu den steinzeitlichen Felsenkünstlern, die wunderbare Tierbilder vor Jahrhunderten in die Felsen gemeißelt haben. Diese Bilder gehören zum UNESCO Weltkulturerbe.

Anschließend fuhren wir zu einem versteinerten Wald. Dessen Bäume sind über die Jahrtausende durch verschiedenste Umwelteinflüsse zu Stein geworden. So wie diese versteinerten Bäume in der felsigen Landschaft liegen, lässt es einen schon ehrfürchtig werden. Weiter ging es zu der 35 Meter hohen Fingerklippe, die wie ein vergessener Hinkelstein von Obelix senkrecht in die Landschaft ragt.  Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Wind und Wetter dem Stein so zusetzten, das er zur Seite kippt und nicht mehr als Fotomotiv zu bewundern ist.

Endlich sind wir im bekanntesten Naturpark von Namibia, den Etoscha-Nationalpark angekommen. Der Etoscha-Park gehört zu den bedeutendsten Naturschutzgebieten Afrikas. Wir sind uns sicher, dass wir hier Zebras, Springböcke, Gnus und Giraffen vor die Kamera bekommen werden. Möglichweise auch einige Großkatzen, Nashörner und Elefanten. Da zurzeit in Namibia eine große Hitzewelle herrscht, zieht es viele Tiere an die wenigen Wasserstellen. Dadurch können wir auch große Herden von Zebras und Elefanten aus nächster Nähe bewundern.  Bei allen dieser Eindrücke haben wir auch nicht vergessen, unseren Blick ab und zu von der Steppe zu nehmen und in den Himmel zu richten. Die Vogelvielfalt im Etoscha-Park ist gewaltig. 

Unsere Reise endete dort wo sie begonnen hatte – in Windhuk. Dort lernten wir eine junge Namibierin kennen, die von sich behauptete, ein sogenanntes DDR-Kind zu sein.  Diese junge Frau durfte  als 4-jähriges Kleinkind aus einem Flüchtlingslager aus Angola aus humanitären Gründen, um dem dortigen Krieg zu entgehen, in die damalige DDR einreisen.  Insgesamt kamen so etwa 430 Kinder in ein ihnen unbekanntes Land. Dort  wurden sie in einem Internat untergebracht und genossen eine gute Schulausbildung. Sie sollten dort zur zukünftigen Elite Namibias vorbereitet werden, wenn es zu einer angestrebten Unabhängigkeit von Südafrika käme. Im November 1989 fiel dann die Berliner Mauer. Im August 1990 hieß es deshalb plötzlich für diese Kinder: ab nach Hause. Sie mussten packen und innerhalb weniger Tage abreisen. Die junge Frau hatte wie auch die anderen Kinder aus Namibia in den elf Jahren in der DDR so gut wie keinen Kontakt zu ihrer Familie, selbst ein Briefverkehr war äußerst selten. In Namibia angekommen kamen sie in ein für sie fremdes Land. Sie erkannten weder ihre Eltern, Geschwister beziehungsweise ihre Familie. Sogar ihre Heimatsprache kannten sie nicht mehr. Auch die ganzen Lebensumstände ihrer „neuen“ Heimat waren ihnen völlig fremd. Diese Frau war tatsächlich eine Fremde im eigenen Land. Sie wurde in ihr Heimatdorf in den Norden ihres Landes gebracht, wo sie Hirse stapfen und Holz sammeln musste. Was für ein Schock!

 

Ich frage mich, was hat man diesen kleinen Kindern nur angetan, dass man sie in ein unbekanntes weißes Land schickte – mit einer ihnen unbekannten Sprache und ohne Kontakt zu ihren Eltern.

Heute hat sie sich einigermaßen eingelebt, sucht aber immer noch nach ihrem Lebensweg. Andere Ehemalige arbeiten in der Regierung, einige von ihnen haben aber auch einen massiven sozialen Abstieg erlitten. Viele dieser einstigen Kinder halten heute noch Kontakt miteinander, haben den „OSSI-CLUB“ von Namibia gegründet und treffen sich mehrmals im Jahr in Windhuk.

Die letzten Stunden in Windhuk entsprachen unserer Vorstellung einer Hauptstadt. Um uns herum pulsierte das Leben. Geschäfte waren geöffnet und das Straßencafé hatte sogar noch einen letzten freien Tisch für uns. 

                                                                     

 

 

 

Foto: Werner Jahnke

Anni Kuffer-Jahnke hinter einer Welwitschia mirabilis

Foto: Werner Jahnke

Eine Herde von Springböcken im Etoscha-Nationalpark

Foto: Werner Jahnke

In Reih und Glied - Zebras an der Tränke

Foto: Werner Jahnke

Elefanten werden argwöhnisch von einer Giraffe beobachtet