Herzlich willkommen im...

… Comicladen „Grober Unfug“

 

Zu einer Zeit, als deutsche Eltern Comics noch pauschal als „Schundlektüre“ oder etwas milder als „Unfug“ verurteilten, gründeten einige Comic-Besessene in Berlin einen eigenen Comic-Laden, den sie mit einer Portion Ironie „Grober Unfug“ nannten. Nach der Startphase 1982 in Friedenau zog der Laden schon ein Jahr später ins bunte Kreuzberg um, erst in die Gneisenaustraße, später in die Zossener Straße. Comic-Leser gab es dort reichlich. Sowohl die Einheimischen als auch die Touristen zog die Buchhandlung der anderen Art magnetisch an. Ob Klassiker wie Donald Duck, Micky Maus, Asterix und Lucky Luke oder die amerikanischen Geschichten um die Superhelden Batman und Spiderman oder japanische Mangas – im „Unfug“ war nahezu alles erhältlich.

Nach dem Mauerfall wandte sich ein Teil der Szene dem einstigen Ostberlin zu. Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg lauteten nun die hippen Bezirksnamen. Mitte der 1990er Jahre beschossen daher die Inhaber der Comic-Buchhandlung, eine Zweigstelle zu eröffnen. Diese befand sich zunächst ein paar Jahre in der Weinmeisterstraße, inzwischen ist sie in die Torstraße 75 umgezogen.

„Eine sehr gute Lage für uns“, bekräftigt Christoph Wienke, der seit 1998 hinterm Verkaufstresen steht und inzwischen einer von vier Geschäftsführern ist. „Für unser Stammpublikum ist die Lage attraktiv, außerdem gibt es hier auch viel Laufkundschaft.“ Das Publikum ist sehr gemischt. Hier trifft man die ehemals jungen Wilden, die mit den Comics alt geworden sind und die heute Jungen, die sich für die häufig actionreichen japanischen Mangas interessieren oder auch für die Nachdrucke alter amerikanischer Klassiker aus den 1940er Jahren. „Richtig spannend wird es, wenn sich hier jüngere und ältere Comic-Enthusiasten austauschen und dann womöglich noch aus verschiedenen Ländern kommen“, lacht Christoph Wienke. „Asterix als Lebensgefühl ist international und generationenübergreifend.“

Im Laden an der Torstraße sind auch viele Graphic Novels zu erwerben, eine besonders in den letzten zwei Jahrzehnten boomende Comic-Variante im Buchformat. Aufgrund ihrer erzählerischen Komplexität richten sich diese Comics eher an eine erwachsene Zielgruppe. Der Begriff stellt wohl auch den Versuch dar, längere und thematisch anspruchsvoll erzählte und gezeichnete Comics von den klassischen Comic-Heften abzugrenzen.

Die Corona-Krise hat „Grober Unfug“ vor allem dank der Stammkunden halbwegs überstanden. Nun hoffen die Verantwortlichen in beiden Läden auf baldige Normalität und auf ein Stöbern der Kundschaft ohne Maskenzwang. Die legendären Signierstunden sollen auch bald wieder beginnen. Viele der nationalen und internationalen Zeichner und Autoren gaben im „Unfug“ schon ein Stelldichein: Die berühmten US-Zeichner Will Eisner und Gilbert Shelton waren dort, Walter  Moers und Ralf König auch. Und der berühmte Berliner Bühnenkomiker und Zeichner Fil hat im „Unfug“ der Anfangsjahre sogar eine Zeitlang gearbeitet.        

VH           

 

Christoph Wienke im Comicladen "Grober Unfug"