Im Brennpunkt

Namibia – was für ein schönes Land!

  

Nach etwas neunstündigem Flug sind wir am Morgen in Windhuk, der Hauptstadt von Namibia, gelandet. Gleich nachdem wir unser Hotelzimmer bezogen hatten, machten wir eine Stadtrundfahrt. Windhuk erlebten wir als zweigeteilte Stadt, die zu einem Teil sehr deutsch zum anderen Teil sehr afrikanisch ist.

Am höchsten Punkt von Windhuk überragte eine ehemals von deutschen Siedlern erbaute Kirche die ganze Stadt. So bekamen wir einen ersten Eindruck von dieser Stadt, nur schade,  dass unser erster Tag auf einen Sonntag fiel, so war von einem quirligen Treiben auf den Straßen nichts zu sehen. Am Nachmittag gab es eine Vorstellungsrunde aller Mitreisenden. Wir staunten nicht schlecht als wir feststellten, dass in unserer 23-köpfigen Reisegruppe Mitreisende aus Österreich, Luxemburg und Norwegen mit dabei waren. Viele waren so wie wir nicht zum ersten Mal in Afrika.

Als ich abends müde zu Bett ging, ließ mich ein merkwürdiges Rascheln lange Zeit nicht einschlafen. Es muss wohl eine Mäuschen in meiner Matratze oder hinter der Tapete hin und her gehuscht sein.  Irgendwann hat mich aber die Müdigkeit übermannt und ich konnte bis zum Morgen durchschlafen. Nach dem Frühstück begannen wir unsere Rundreise. Nach kurzer Fahrt machten wir in einem Dorf halt und besuchten dort die zweitälteste Kirche Namibias, ein Jugendzentrum und einen Kindergarten. Das Jugendzentrum bekam gerade einen neuen Anstrich. An der Wand neben der Eingangstür stand in großen Lettern „No Drugs or Alcohol“. Diese bekannten Süchte müssen wohl auch in Namibia ein großes Problem sein. Im Kindergarten wurde uns an großen Schautafeln gezeigt, wie Kindern das Lesen und Schreiben beigebracht wird. Auch wurde uns die landestypische Sprache der Nama demonstriert. Dabei wird z.B. mitten in einem Satz oder in einem Lied ein sogenannter Klicklaut (vergleichbar mit einem Zungenschlag) eingebaut. Ein Klicklaut ersetzt dabei ein ganzes Wort. Wir konnten noch solange üben, wir brachten keinen einzigen Klicklaut heraus.

Nachdem wir freundlich verabschiedet wurden, ging die Fahrt über staubige waschbrettartige Pisten zu unserer ersten Unterkunft, einer Lodge. Wir waren immer wieder überrascht über die einzigartige Weite dieser Steppenlandschaft, die mit ihren vertrockneten Grasflächen aussah wie abgeerntete Getreidefelder. An den Fahrbahnrändern sahen wir wiederholt Bäume mit ganz merkwürdigen Gebilden. Für mich sah es so aus, als wenn ein Heuwagen mit einem Teil seiner Ladung  in den Ästen dieser Bäume hängen geblieben wäre. Aber diese merkwürdigen Gebilde waren riesige Vogelnester. In manchen dieser Vogelnester waren bestimmt 50 oder mehr kleinere Nester der Webervögel. Teilweise gab es einen so regen Flugverkehr, dass ich mich wunderte, wie jeder Vogel sein eigenes Nest wiederfand. Während bei uns die Vögel von oben oder seitlich in ihre Nester fliegen, sind die Nester der Webervögel nach unten offen.

Gegen Abend machten wir dann eine kleine Safarifahrt über das Gelände der Lodge, bei der wir unsere ersten Gnus, Springböcke und Giraffen sahen. Das Ziel unserer Fahrt war der Sonnenuntergang bei den roten Sanddünen. Dieser Sonnenuntergang, der mit dem Nationalgetränk  Gin-Tonic dargereichte kleine Snack, die Stimmung – alles war fantastisch. Bei Dunkelheit ging es zurück zur Lodge. Am nächsten Tag ging es weiter in den Süden von Namibia. Auf dem Weg machten wir Halt  am Köcherbaumwald. Dessen Bäume sind 200 bis 300 Jahre alt. Früher wurden aus der Rinde des Köcherbaumes von den Buschmännern die Köcher für ihre Pfeile gefertigt. Heute umfasst der Köcherwald noch etwa 300 Bäume in einer steinigen Landschaft. 

Weiter ging die Fahrt  nach  Keetmannshop, einer von rheinischen Missionaren gegründet Stadt, die lange Zeit als „Metropole“ Südnamibias galt. In der zum Museum umbauten Kirche ging mir ein langgehegter Traum in Erfüllung. Ich fand endlich den Wanderstock, den ich mir in meinen Träumen immer gewünscht habe. Er ist handgeschnitzt und zog in Folge viele bewundernde Blicke auf sich. Weiter auf dem Weg nach Lüderitz haben wir an einigen spektakulären Aussichtspunkten des 150 km langen und 550 Meter tiefen Fischfluss-Canyon Halt gemacht. Dieser Canyon ist einer der schönsten und tiefsten weltweit. Im Gondwana-Naturschutzgebiet angekommen, erwartete uns auch hier eine grandiose Landschaft. In der kargen und wilden Steinwüste, dort wo wir es niemals vermutet hätten, lag sie da, unsere Lodge mitten in der Einsamkeit. Da unser Bus nicht bis zu unseren Unterkünften heranfahren konnte, wurde unser Gepäck auf ein Eselfuhrwerk geladen und zu unserer Unterkunft gebracht.

Am nächsten Tag hielten wir wenige Kilometer vor Lüderitz in der Geisterstadt  Kolmannskuppe.  Die Ruinen von Kolmannskuppe erzählen vom Diamantenfieber, das hier vor etwa 100 Jahren ausbrach. Nach einer kurzen Blütezeit – Kolmannskuppe galt als reichste Stadt Afrikas – war der Diamantenrausch wieder vorüber. In den wenigen Häusern, die die deutschen Kolonisten (teilweise sprach man von der Schutztruppe) damals erbaut hatten, gab es eine Fleischerei, eine Bäckerei, eine Kegelbahn und sogar eine Eisfabrik. Ebenso ein kleines Krankenhaus mit einem Arzt und vier Krankenschwestern. Wasser wurde mit einem Ochsenkarren aus dem nicht weit entfernten Lüderitz herangeschafft.  Das Diamantengebiet ist  bis heute zum großflächigen Sperrgebiert erklärt worden.

Früher gab es immer wieder Diamantendiebstähle. Die Lüderitzer Zeitung berichtete 1909 von zwei Weißen, gegen die Anklage erhoben wurde, da man sie des Diamantendiebstahls bezichtigte. Sie wurden in das Krankenhaus gebracht, wo sie mit Röntgenstrahlen durchleuchtet wurden. Sie hatten  gestohlene Diamanten im Körperinneren versteckt, der eine 54 Diamanten in einem Ledersäckchen, der andere 48 in einem roten Gummischlauch. Heute werden in Kolmannskuppe keine Diamanten mehr geschürft, dafür wird der Meeresboden von Lüderitz mit großen Schläuchen durchsiebt und nach Diamanten abgesucht. Wer heute nach Kolmannskuppe fährt sieht, dass sich die Wüste diesen Ort langsam zurückerobert.          

                                                                                                           Werner Jahnke

 

 

 

 

Foto: Werner Jahnke

Blick auf ein kunstvolles gebautes Nest der Webervögel