Im Kiez gekiebitzt

Das Verborgene Museum

 

Die Berliner Museums-Landschaft ist reich und vielfältig. In insgesamt 175 Museen und Sammlungen werden Kunst, Geschichte und Wissen aufbewahrt und einem neugierigen Publikum präsentiert. Neben den allseits bekannten Besuchermagneten wie Museumsinsel oder Deutsches Historisches Museum gibt es eine Reihe von kleineren Ausstellungsorten, die vorwiegend von einem Fachpublikum besucht werden oder die man eher beim Vorbeischlendern entdeckt. Hierzu zählt auch das Verborgene Museum in der Schlüterstraße 70 in Charlottenburg.

Das Verborgene Museum wurde 1986 von den Malerinnen Gisela Breitling und Evelyn Kuwertz gegründet. Die Aktivitäten des Hauses konzentrieren sich auf Frauen, vor allem auf jene, die um die Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert geboren wurden. Weibliche Kunstschaffende waren zu dieser Zeit in Deutschland noch rar gesät. Während Künstler seit Jahrhunderten an Kunstakademien eine professionelle und umfassende Ausbildung erhalten konnten, blieben für Frauen die Akademien in Deutschland, von wenigen Ausnahmen abgesehen, verschlossen. Erst 1919 durch die Weimarer Verfassung und die darin festgelegte Gleichstellung von Mann und Frau änderte sich diese Situation: Die Akademien nahmen nun auch Frauen auf.

Und doch haben es Frauen in der Kunst wohl immer noch schwerer als Männer, wenn es um nachhaltige Anerkennung und Erfolg geht. Eine Untersuchung in den ehemaligen West-Berliner Museen zwischen 1984 - 1987, bei der in den Archiven und Sammlungen Arbeiten von mehr als 500 Künstlerinnen begutachtet wurden, ergab, dass von denen nur eine sehr geringe Anzahl heute noch bekannt ist. Ob bildende Künstlerinnen, Malerinnen, Fotografinnen und Bildhauerinnen: viele von ihnen waren künstlerisch hochbegabt und aktiv und gerieten trotzdem in Vergessenheit.

Genau dies zu ändern ist das Anliegen des Verborgenen Museums. In den vergangenen 32 Jahren hat der Trägerverein durch Ausstellungen und Publikationen auf mehr als 100 Lebenswerke öffentlich hingewiesen und durch wissenschaftliche Veröffentlichungen die Basis für einen akademischen Diskurs sowie für eine Wertschätzung der Künstlerinnen auf dem Kunstmarkt gelegt. Oftmals sind die in Charlottenburg gezeigten Ausstellungen gleichzeitig die erste Würdigung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Verborgen ist das Museum in der Tat. Im Hinterhof eines Mietshauses der Schlüterstraße ist der Eingang. In zwei bewusst einfach gehaltenen, aber gut ausgeleuchteten Räumen finden pro Jahr etwa drei Ausstellungen statt. Zurzeit sind rund 100 Schwarz-Weiß-Fotografien der in Karlsbad geborenen jüdischen Fotografin Maria Austria (1915-1975) zu sehen. Nach ihrer Flucht 1937 in die Niederlande schloss sie sich dort nach Einzug der Deutschen Wehrmacht dem Widerstand an. Ihre Fotos zeigen vor allem das Leben nach Kriegsende in den zerstörten niederländischen Städten.            VH

Foto: Ausstellung-Postkarte:Verborgenes Museum e. V.

Masken-Selbstportrait von Gertrud Arndt, 1930