Soziales Engagement

Die Kampagne "Kinder beflügeln"

 

Im Grundschulalter werden für Kinder die Weichen dafür gestellt, wie vor allem das berufliche Leben für sie einmal aussehen könnte. Kinder, die während dieser Jahre eine ansprechende Förderung genießen, sind dabei ganz klar im Vorteil. Doch vielen Kindern bleibt der Weg zu einer guten und nachhaltigen Bildung verwehrt. Entweder weil sie in Armut aufwachsen, keine motivierenden Vorbilder haben oder keine Förderung erhalten, die für eine Entwicklung Ihres Geistes und einen Ausbau ihrer Fähigkeiten notwendig wären.

Doch hat nicht jedes Kind das Recht auf gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe? Es ist mehr als schade oder bedauerlich, es ist gewissermaßen unverantwortlich, kreative Potenziale von Kindern brachliegen zu lassen. Kinder wollen in der Regel lernen, sie haben Freude am Entdecken, am Forschen und sie sind wissbegierig. Man muss ihnen nur die Möglichkeit geben, die innenwohnende Freude dafür auch zur Entfaltung kommen zu lassen. 

Genau hier setzt die Kampagne Kinder beflügeln ihre Hebel an. Im Jahr 2008 startete das Evangelische Johannesstift sein bis heute andauerndes Engagement vor dem Hintergrund einer Bildungsdebatte in Deutschland, die immer deutlicher einen Zusammenhang zwischen Armut und Bildungsferne aufzeigte.

Innerhalb von zwei Jahren konnte Kinder beflügeln an 34 Grundschulen und Förderzentren in Berlin und Brandenburg Projekte unterstützen und über 3.000 Kinder erreichen. Insgesamt 110 Bildungsmaßnahmen wurden allein bis 2010 realisiert. Fast immer wurde dort geholfen, wo staatliche Mittel nicht oder nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen.

Die Themen Kulturelle Bildung, Leseförderung, Wissenschaft und Forschung, Unternehmerisches Handeln sowie Gesundheit und Ernährung treffen den Nerv vieler Menschen, die konkret etwas für die Zukunft unserer Gesellschaft und der Stadt Berlin beitragen wollen. So gesehen ist Kinder beflügeln eine Kampagne, die ihre Wirksamkeit auf verschiedenen Ebenen entfaltet.

 a) Die Kampagne hilft Kindern an sozialen Brennpunkten unmittelbar und verbessert nachhaltig deren  Lebenschancen

 b) Sie befördert das Thema Armut und Bildung in der Öffentlichkeit

 c) Sie vernetzt das Evangelische Johannesstift mit relevanten gesellschaftlichen Gruppen und macht deutlich, dass Kooperationen erfolgreich Folgen von Armut bekämpfen können.

„Lasst uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit“, gab der Gründer Johann Heinrich Wichern seiner Stiftung schon 1858 mit auf den Weg. Daran hält sich die Stiftung in vorbildlicher Weise – auch dank ihrer Kampagne Kinder beflügeln. Aufgrund großzügiger und anhaltende Unterstützung durch Spenden hat sich die Kampagne zu einem festen Bestandteil der Bildungslandschaft in Berlin entwickelt. Drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Honorarkräften die vielen Projekte an Grundschulen in den sozialen Brennpunkten Berlins um.

Wie viele Einzelprojekte seit 2008 überhaupt ins Leben gerufen oder gefördert wurden, lässt sich so leicht nicht beantworten. Es werden wohl weit mehr 1.000 gewesen sein. Allein anhand dieser Zahl erkennt man, wie intensiv das Evangelische Johannesstift in die Bildungsförderung investiert. Zwar ist Bildung ein öffentliches Gut und laut Grundgesetz Sache des Staates – in Deutschland sind die Bundesländer dafür verantwortlich –, doch die dringend notwendigen Finanzmittel für die Umsetzung fehlen immer häufiger. Wenn Kampagnen wie Kinder beflügeln nicht unterstützend wirken würden, wäre das Bildungsdilemma hierzulande vermutlich noch größer.

Die Projekte sind bewusst breit gefächert, jede Schülerin und jeder Schüler soll sich angesprochen fühlen. Ob Schauspielunterricht beim GRIPS Kindertheater in Moabit, reinschnuppern und mitanfassen in den Omnibus-Betriebswerkstätten der BVG, Märchenerzählen oder Rechnen spielerisch lernen – das Angebot kennt kaum Grenzen. Im April 2019 startete ein Pilot-Projekt der besonderen Art: Unter dem Motto „Was uns verbindet“ lernten junge Spandauer Schülergruppen die fünf Weltreligionen kennen und erfuhren zu ihrem großen Erstaunen, wie eng die Religionen verknüpft sind und welche Religion aus welch anderer hervorging.

Weitere Projekte gefällig? Kinder entdecken bei „Lese-Abenteuern“ an einem Abend voller Spiele und Gespräche rund um ein ausgewähltes Buch, wie viel Spaß Lesen machen kann. Oder sie besuchen als „Kultur-Piloten" zum ersten Mal in ihrem Leben Museen, Galerien und Konzerte und basteln anschließend ein eigenes Musikinstrument. Und bei der Nachbarschaftszeitung „Kiezwelt“ schnuppern sie als Lokalredakteure, Grafiker und Drucker in die Arbeitswelt der Zeitungsmacher rein.

Kinder beflügeln arbeitet sehr häufig mit Grundschulen zusammen, denn diese sind die wichtigste Kontaktstelle zu den von Armut betroffenen Familien. Lehrer haben täglichen Umgang mit Kindern und können am besten einschätzen, wo Hilfe notwendig ist.           VH

 

 

 

Foto: Evangelisches Johannesstift

Kinder beflügeln hilft, wo staatliche Mittel nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind