Gestern und Heute

Inge Meienberg erzählt

 

Der Begriff Frohnatur passt sehr gut zu Inge Meienberg. Sie ist munter und freundlich, lacht laut und ansteckend, und wenn sie erzählt, blitzen ihre Augen und suchen den Kontakt zum Zuhörer. Immer dann, wenn man ihr ein Stichwort gibt, weiß sie daraus prompt eine Geschichte oder Anekdote zu erzählen. Sie hat ja auch viel erlebt und einiges durchgemacht. Doch sowohl in guten als auch in schwierigen Zeiten blieben der Optimismus und die Lebensfreude ihr steter Begleiter.

Vielleicht liegt es ja daran, dass sie die jüngste von vier Kindern war und dazu auch noch das einzige Mädchen. Ihre drei großen Brüder müssen das Nesthäkchen sehr geliebt und beschützt haben. Geboren wurde Inge Meienberg in Rathenow, der berühmten Optikerstadt in Brandenburg. Dort ging sie auch zur Schule und wohnte in der elterlichen Wohnung bis 1959. In diesem Jahr beschloss sie, die DDR zu verlassen und nach West-Berlin zu ziehen. Bei Verwandten in der Kaiserin-Augusta-Allee kam sie zunächst unter. Bis zum Bau der Berliner Mauer erhielt sie öfter Besuch von der Familie in Rathenow, ab August 1961 waren die Ost-West Reisen dann erst einmal Geschichte. Nach langem Suchen fand die junge Frau auch eine Arbeitsstelle bei Osram. Im Werk in der Helmholtzstraße sollte sie insgesamt sieben Jahre lang in der Produktion tätig sein.

Ihren ersten Ehemann heiratete Inge Meienberg 1964. Die Ehe hielt aber nur vier Jahre und wurde danach auf Wunsch der Ehefrau geschieden. Viel mehr Glück hatte sie tatsächlich mit Ehemann Nummer zwei. Ihren Erhard lernte sie beim Tanzen in der Perleberger Straße kennen. „Die Beziehung war über all die Jahrzehnte wunderbar“, schwärmt sie noch immer von ihrem 2017 verstorbenen Mann, einem freiberuflichen Verkäufer von Elektrowaren. Während Erhard im Außendienst unterwegs war, erledigte Ingrid die Büroarbeiten und Telefonate. „Wir haben uns privat und beruflich ideal ergänzt.“ Beide teilten auch ihre Leidenschaft für Hunde – immerhin vier haben sie über die Jahre besessen – und für schöne Reisen. Der Harz, Österreich und Ungarn waren ihre bevorzugten Ziele.

Nach einem schweren Sturz mit anschließendem Wirbelbruch kam Inge Meienberg in das Charlottenburger DRK-Krankenhaus. Seit vorigem Sommer ist sie Patientin der Pflegestation Jahnke. „Ich freue mich immer, wenn die lieben Pflegerinnen kommen, ob Moni, Petra oder Fatma. Wir verstehen uns gut und lachen viel, auch wenn ich nur noch mithilfe des Rollators laufen kann und kaum noch die Wohnung verlasse.“

In Rathenow war sie vor rund zehn Jahren zum letzten Mal. Die Stadt habe sich sehr verändert, sagt sie, sei aber immer noch sehr schön. Eltern und die großen Brüder sind schon verstorben, aber noch zwei Cousins leben dort. „So schön Rathenow auch war und ist – dass ich damals nach Berlin gezogen bin, habe ich zu keiner Zeit bereut“, beteuert sie.                                  VH   

*Name von der Redaktion geändert                  

Inge Meienberg in ihrer Wohnung